Totenbretter

Der Bayerische Wald-Verein kümmert sich um die Totenbretter der verdienten verstorbenen Mitglieder. Als Beispiel seien hier nur die Totenbretter für den ehemaligen Rachelwirt Hans Genosko und den “Rachelsepp” Josef Möginger aufgeführt.

Totenbrett Hans Genosko               Totenbrett Josef Möginger            
Die Totenbretter für den früheren Rachelwirt Hans Genosko, den “Rachelsepp” Josef Möginger und den Ehrenvorstand Josef Schuster.

Über den Brauch der Totenbretter (Hans Schnetzer)

In früheren Zeiten machte man mit einem Leichnam wenig Umstände. Man wickelte ihn nach uralter Sitte in ein Leinentuch, nähte dies zusammen und legte ihn auf ein Brett, auf welchem er zum Grab gebracht und in daselbe hinuntergelassen wurde.

Es diente einem doppelten Zweck:
- Zwischen zwei Stühlen oder auf eine Bank gelegt, bahrte man auf ihm die eben erstarrte Leiche bis
   zum Begräbnis auf;
- fuhr oder trug man sie auf dieser Unterlage festgebunden zum Friedhof. Dort ließ man sie entwe-
  der mit und auf dem Brett ins Grab hinunter, oder schob ihn, die Füße voraus, auf dem Brett schief
  in die Grube, löste die Fesseln und zog es wieder hoch, so daß der Leichnam langsam von seiner
  Unterlage auf den Grabboden rutschte.

Wenn das Bahrbrett nicht mit ins Grab wanderte, aber dem Toten gegenüber seine Schuldigkeit getan hatte, wurde damit in verschiedener Weise verfahren:
- Man verbrannte es, beließ es nach dem Begräbnis im Friedhof, verbrachte es irgendwohin ins
   Freie und überließ es als zu profanen Zwecken fernerhin unbenützbar sich selbst.
- Man hob es manchmal auch für weitere Todesfälle auf.
- Man gestaltete das Aufbahrungsbrett zum christlichen Errinnerungszeichen an den Verstorbenen -
  zum eigentlichen Totenbrett.

Die Beschaffenheit und Beschaffung des Aufbahrungsbrettes war eine sehr einfache: Bevor das Brett aus dem Hause geschafft wurde, schnitt, brannte oder zeichnete man gewöhnlich auf die Seite, wo der Tote niedergelegt war, drei Kreuze. Das war die Urform des Totenbrettes. Dann kamen die Anfangsbuchstaben des Namens und das Todesjahr des Verstorbenen hinzu. Der Handwerksmann beließ es nicht beim alten. Er hob an es zu verfeinern. Zunächst hobelte und säumte er nur das Brett. Dann gings über die Form. Die Ecken fielen. Oben, wo der Kopf des Verlebten geruht hatte, wurde es abgerundet; die langen Seitenkanten erhielten Einkerbungen usw. usw. Einer verkleinerte das Brett bis auf 80 cm, andern war eins von 2 m Länge viel zu kurz.
 

Die Inschriften, die nach und nach umfangreicher wurden, malte der Meister, mit deutlichen Buchstaben in Druckschrift auf das vorher gefärbte Brett. Und da er nun doch einmal über die Farben geraten war, fügte er mit dem Pinsel allerlei Schönes und Sinniges hinzu, je nach persönlichen Geschmack und Künnen und - nicht zu vergessen - nach dem Geldbeutel des Bestellers.

Heute dient das Totenbrett nicht mehr dem Aufbahren und Grablegen. Es wird eigens zum Andenken der Toten angefertigt und an  besonders geeigneten Orten aufgestellt.

 

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